Tarifabschluss mit viel Licht, aber auch Schatten
Diese Verhandlung könnte als eine der Längsten in ver.di in die Geschichte eingehen. Sie begann am 28. März um die Mittagszeit und ging inklusive Beschlussfassung der Bundestarifkommission bis in den frühen Morgen des 31. März. Viel Licht, aber auch Schatten zeichnen das nun gefundene Tarifergebnis aus, zu dem es eine ver.di-Mitgliederbefragung geben wird.
Im Licht steht:
Das Volumen der Entgelterhöhung konnte gegenüber dem 1. Angebot der Arbeitgeber fast verdoppelt werden. Deutliche Steigerungen in den ersten 10 Monaten in zwei Stufen, in Summe um 4,9%. Die Entgeltsteigerungen im Einzelnen: 3,5% ab 1.3.2012, 1,4% ab 1.1.2013 und 1,4% ab 1.8.2013. Laufzeit 24 Monate.
Auszubildende erhalten einen Rechtsanspruch nach Ausbildung auf eine Übernahme von 12 Monaten, unabhängig von der Abschlussnote, aber bedarfsbezogen nach Personalplanung. Bei Bewährung nach den 12 Monaten erfolgt danach eine unbefristete Übernahme. Bewährung heißt: wer keine Abmahnung in dieser Zeit erhielt, erhält den unbefristeten Arbeitsvertrag. Eine neue Fahrkostenübernahmeregelung gibt’s auch noch. Das ist doch was!
Es gibt eine Pauschalzahlung von 300 Euro für Beschäftigte in der EG 2-8 als Ausgleich für die noch fehlende neue Entgeltordnung.
Im Schatten steht:
Wir haben keine soziale Komponente durchgesetzt. Gerade die unteren Einkommensbezieher hätten diese bitter nötig gebraucht. An uns lag`s nicht, wir wollen diese ausdrücklich haben!
Auch die neue tarifliche Urlaubsregelung hat einen Beigeschmack. Das Bundesarbeitsgericht meinte unbedingt, nicht bis nach der Tarifrunde warten zu können- so wurde uns just mitten im Verhandlungsgeschehen das Urteil beschert und gleich vom Arbeitgeber auf den Tariftisch durchgereicht- Mist aber auch! Die Arbeitgeber verlangten eine Lösung und drohten mit Kündigung der Urlaubsregelung. Was wäre die Folge gewesen? Der Rückfall auf die gesetzliche Urlaubsregelung von 20 Tagen (bei einer 5 Tage-Woche). Der Druck auf die Nachwirkung der Altregelung wäre enorm gewesen!
Jetzt haben alle 30 Tage Besitzstand, die 30 Tage auch schon vorher hatten. Alle anderen künftig 29 Tage. Die 55jährigen und älter bekommen auch 30 Tage, die Azubis 27 Tage. Alles mehr als vorher im Tarif geregelt war, aber eben unter BAG. Naja, das gilt erst ab 1.1.2013. In 2012 gilt die Aussage des BAG, dass „nach oben“ anzupassen und also 30 Tage für alle gilt.
- Klar im Schatten auch das kategorische Nein der Sparkassenarbeitgeber nach einem Sparkassentisch! Belegt haben sie dazu nichts, nur viel behauptet! Wir legten nach und lieferten Fakten. Aber sie wollen eben einfach nicht. Die Verdienstprobleme der Sparkässler vor dem Hintergrund von Wettbewerb und Demografie werden ignoriert- noch! Wir bleiben aber am Ball! Das Thema geben wir nicht auf, die Zeit läuft klar für uns!
Alles in allem: Als Paket im schwierigen Umfeld des öffentlichen Dienstes ist das Ergebnis akzeptabel. Jetzt haben die Mitglieder in der ver.di-Mitgliederbefragung das Wort!
Euer Timo Tarif
Arbeitgeberangebot mit Zahlentrickserei
Oha, 3,3% Arbeitgeberangebot! So von der VKA stolz verkündet und auch in der Presse nachlesbar- das wär doch schon was für`s erste Angebot, oder?
Wir Sparkässler sollen aber offenbar nur so richtig verschaukelt werden. Denn wer etwas genauer hinsieht, wird richtig verärgert sein: Das Angebot geht über 24 Monate. Dann sind diese 3,3% pro Jahr durchschnittlich nur noch magere 1,77%! Bei einer Preissteigerung von 2,5% in 2012 und (erwartet) 2,0% in 2013 zahlen wir also wieder drauf, so wie die vielen Jahre bereits zuvor! Zwei Nullmonate werden desweiteren zugemutet, eine Einmalzahlung von 200 € (40 € Auszubildende) wird als soziale Komponente „verkauft“. Bei den Auszubildenden soll es nur eine befristete Übernahmeregelung geben und das auch nur bei vorhandenem Bedarf.
Und die Sparkassenarbeitgeber? Erzählen diese wenigstens in der VKA von ihren wirklich fantastischen Jahresergebnissen 2010 und 2011? Wollen wenigstens die Sparkassenarbeitgeber anständige Erhöhungen für ihre Beschäftigten akzeptieren?
Nein, mitnichten! Wegen Basel III-Anforderungen zur Eigenkapitalstärkung müsse vorgesorgt werden, d.h.: es soll an Personalkosten und damit an einer Tariferhöhung gespart werden.
Auch NEIN zu einem spezifischen Sparkassentisch nach der Tarifrunde: Kein Bedarf- die Sparkassenbeschäftigten werden ausreichend bezahlt!
Bei der ersten Warnstreikwelle haben sich viele Sparkassenbeschäftigte aktiv beteiligt. Mehrere tausend Sparkässler waren gut sichtbar „draußen“ auf der Straße mit dabei. Das Arbeitgeberangebot ist eine echte Provokation und die Sparkassenarbeitgeber setzen noch einen oben drauf.
Jetzt weiter „Flagge zeigen“! Bei den weiteren Warnstreikmaßnahmen zählt Ihr und DU!
Euer Timo Tarif
Arbeitgeber verlangen Demutsgeste von ver.di
ver.di wollte gleich bei der 1. Runde am 1.3. richtig losverhandeln. Doch die Arbeitgeber hatten andere Vorstellungen: ver.di soll zuerst die Forderungen zurücknehmen bzw. deutlich reduzieren, ansonsten würde sich ja ein Korridor nach oben eröffnen, den man nicht wolle. Erst nach dieser „Vorleistung“ oder krasser gesagt unserer Demutsgeste könne man sich verhandeln vorstellen. Also: Null Angebot!Und nächste Runde? Dann wieder das selbe Spiel?
So wird das nichts! Eine klare Ansage gab es allerdings doch von den Arbeitgebern: Die ver.di-Forderung nach der sozialen Komponente, als Sockelbetrag in Höhe von EURO 200, wird kategorisch abgelehnt. Und die Sparkassen sehen wegen der regulatorischen Anforderungen an das Eigenkapital schon gar nicht den Spielraum für die ver.di-Forderungen.
Wir sind schwer enttäuscht! Lösungen werden so nicht am warmen Verhandlungstisch gefunden werden können, die Antworten auf die Ansagen der Arbeitgeber müssen auf der noch kalten Strasse gegeben werden. Frank Bsirske hat auf der Pressekonferenz verkündet, ver.di wird in der kommenden Woche vom 5.-09. März zu Warnstreiks aufrufen. Damit auf unserer Basis der Forderungen verhandelt werden kann. Das bedeutet also MITMACHEN und sich einmischen, für mehr Geld zum Leben!
Wir Sparkässler sind ganz besonders gefordert, mitzumachen. Denn wir wollen NACH der Tarifrunde einen eigenen Sparkassen-Verhandlungstisch und dort eine Sparkassenzulage durchsetzen. Also: Flagge zeigen ist angesagt!
Die nächste Runde ist am 12./13.März in Potsdam.
Deine Meinung zählt, ich freue mich über Deinen Eintrag!
Es grüßt Timo Tarif
Tarifergebnis ENDLICH geschafft- kein Abschluss zum Jubeln, aber ver.di setzt sich auf Verhandlungsweg durch!
Ein Drahtseilakt vom Anfang der Verhandlungen bis zur allerletzten Minute- so erlebte ich diese Tarifrunde 2010 öD/Sparkassen. ver.di knackte letztlich alle no-go Positionen der Arbeitgeber und das auf dem Verhandlungsweg. Kompliment an unsere Verhandler und an die 120.000 warnstreikenden Beschäftigten, die ein klares Signal für UNSERE Ziele abgegeben haben.
Das Tarifergebnis wird nun in einer Mitgliederbefragung rückgekoppelt und letztlich durch das Votum unserer Mitglieder bestätigt (bzw. abgelehnt).
Hier die Übersicht über das Ergebnis für uns Sparkässler (die weiteren Ergebnisse für die Versorger, Nahverkehr, Krankenhäuser und Bund lasse ich weg).
Entgelterhöhung: ab 1.12010 + 1,2%, ab 1.1.2011 + 0,6% plus EUR 240 Einmalbetrag, ab 1.8.2011 + 0,5%; Laufzeit 26 Monate bis 29.02.2012
Erhöhung des Leistungsentgelts ab 2010 – 2013 pro Jahr um 0,25% (um insgesamt 1%);
Erhöhung des Garantiebetrags bei Höhergruppierungen ab 1.1.2010
Pauschalzahlung von EUR 250 für ab 1.10.2005 – 31.12.2009 Neueingestellten in EG 1-8
Pauschalzahlung von EUR 250 für Wechsler ab 1.10.2005-31.12.2009 in andere Tätigkeit (EG 2-8)
Regelungen zur Altersteilzeitregelung, Übernahme von Azubis, Sicherung laufender Bewährungsaufstiege, Prozessvereinbarung für eine neue Entgeltordnung und Verpflichtungen zur Tarifpflege.
Die Doppelziele der Arbeitgeber- beim Bund war dies das Ziel, möglichst wenig zu erhöhen und bei der VKA das Ziel, möglichst alles in das Leistungsentgelt zu packen - hat ver.di klar durchkreuzt. Das Leistungsentgelt wird lediglich moderat erhöht über 4 Jahre um 1%. In der SSZ werden die 4 x 0,25% in die Leistungsorientierte Vergütung (LoV) einfließen und das auszuschüttende LoV-Budget entsprechend erhöhen.
Die Altersteilzeit war uns Sparkässler hingegen sehr wichtig. Der Bund wollte diese partout aus ordnungspolitischen Gründen abschaffen, hoch ging`s her bei den Verhandlungen!
Die Eckpunkte der tariflichen Altersteilzeit sind folgende, dabei sind zwei Wege möglich:
Individueller Antrag des einzelnen Beschäftigten: • Auf die Annahme besteht kein Rechtsanspruch. • Der Beschäftigte muss in einem Restrukturierungsbereich arbeiten • Der Aufstockungsbetrag beträgt 70% des Nettogehalts • Die ATZ beginnt frühestens mit dem 60. LJ für max. 5 Jahre bis frühestem Renteneintritt • WICHTIG: Dienstvereinbarungen können Abweichendes regeln!
Rechtsanspruch für 2,5% der Tarifbeschäftigten einer Sparkasse • Näheres kann durch eine Dienstvereinbarung geregelt werden
Die Möglichkeit, über Dienstvereinbarungen Verbesserungen zur tariflich verlängerten Altersteilzeit zu erreichen, wird ver.di in Sparkassen nun sicherlich massiv angehen.
Soweit zum Tarifergebnis, liebe Freunde des Blogs. Ich bin gespannt auf Eure Kommentare im Blog, nutzt kräftig diese Möglichkeit der Meinungsbildung!
Macht`s GUT! Euer Timo
Verhandlungen gescheitert, ver.di und Arbeitgeber rufen Schlichtung an
Von einem „spürbaren“ Angebot, dass keines ist und keiner spürt…
Nach vielem Hin und Her boten die Arbeitgeber heute im Laufe des Tages eine „Positionierung“ an. Sie sprachen von 1,5% Volumen für 2 Jahre Laufzeit und das darin 1% für die Leistungsentgelterhöhung bereits enthalten seien.
Also man rechne schnell nach: Ganze 0,5% auf 2 Jahre sollten verwendet werden zur Finanzierung einer linearen Tabellengehaltserhöhung UND für die Finanzierung einer Verlängerung von Altersteilzeit UND der Bezahlung von Aufstiegen UND der Übernahmeregelung für die Azubis. Das nannte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Bundesinnenminister Thomas de Maizière eine „spürbare Gehaltserhöhung“- also ich spürte nix- außer Ärger und Erstaunen über so viel Frechheit.
Der VKA-Präsident Dr. Thomas Böhle erklärte ausdrücklich, man mache auch kein Angebot, nur eine „Positionierung“. Der Unterschied liege darin, dass man bei einem Angebot davon ausgeht, dass ver.di es annimmt (so Herr Böhle). Wohl war, dass solch „Positionierung“ von ver.di abgelehnt werden musste, liegt auf der Hand!
Bewegung gab es zwar bei strukturellen Forderungen, es öffneten sich ein Spalt breit die Türen, aber wie der Tisch dahinter gedeckt sein soll, blieb leider völlig im Dunkeln. Nichts Konkretes also, nur soviel:
Bei der Verlängerung der Altersteilzeit wollen die Arbeitgeber zwar Zugeständnisse machen, aber nur in Personalabbaubereichen, ohne Rechtsanspruch für Beschäftigte und mit deutlich geringerem Aufstockungsbetrag wie bisher. Das läuft aber nur, wenn zugleich eine Verlängerungsoption für jene Beschäftigte materiell angereizt wird, die freiwillig über ihre Altersgrenze hinaus arbeiten möchten. Das nennen die Arbeitgeber das „Faltermodell“ (Falter mit zwei Flügeln).
Beim Bewährungsaufstieg kann man sich für die Neueingestellten (ab 1.10.2005) als Ausgleich für entgangene Aufstiege eine Pauschalzahlung vorstellen.
Übernahme von Azubis könne man reden- auch hier ist keine Konkretisierung möglich gewesen.
ver.di hat sich bewegt. Wir sehen 2,5% Lohnerhöhung für 2010 und zusätzlich 1% Volumen zur Finanzierung der strukturellen Forderungen als Ergebnis an, dass den Beschäftigten dienen würde und Wachstumsimpulse setzt. Der öffentliche Dienst muss für den Konsum ein großer Impulsgeber sein, denn die Industrie wird derzeit in der Krise diese Rolle nicht leisten können.
An der Schlichtung ging kein Weg vorbei. Zu weit liegen die Sichtweisen über das materielle Niveau auseinander, zu unbestimmt blieben die Arbeitgeber bei den Strukturforderungen.
Das doppelte Problem ist geblieben: Der Bund will so niedrig wie möglich abschließen, die VKA das Niedrige möglichst nur als Leistungsentgelt vereinbaren. Ob die Schlichtung die Herkulesaufgabe eines tragfähigen Kompromisses hinbekommt, steht in den Sternen. Also KEINE Entwarnung. Die Schlichtung beginnt am 18.2. und soll am 24. oder 25.02. enden. Danach sind wieder die Tarifvertragsparteien dran und bewerten die Schlichtungsempfehlung.
Ich freue mich über Eure Meinung im Blog! Euer Timo Tarif





